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Yoga und Physiotherapie: Vorteile der Kombination mit Pilates

Frau macht Yoga im Stehen, Physiotherapeutin korrigiert Haltung in hellem Übungsraum mit Fenster.

Yoga und Physiotherapie – Welche Vorteile bietet die Kombination beider Methoden? Und überweisen Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten häufiger zu Yoga statt zu Pilates?

Bevor wir uns genauer mit diesem Thema befassen, sollte zunächst klar sein, was unter Yoga und Physiotherapie zu verstehen ist.

Yoga ist eine jahrtausendealte Praxis, die Atemkontrolle, Meditation und bestimmte Körperhaltungen umfasst. Menschen praktizieren Yoga sowohl für ihre Gesundheit als auch zur Entspannung. Darüber hinaus bietet die traditionelle Yoga-Lehre ein umfangreiches philosophisches Wissen, das es zu entdecken gilt.

Vielleicht kennen Sie auch den Begriff Yoga-Therapie. Die Yoga-Therapie verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz. Dabei arbeitet die Therapeutin oder der Therapeut daran, muskuläre Dysbalancen zu korrigieren und Atemtechniken sowie Meditation einzusetzen. Die einzelnen Personen erhalten Hilfsmittel und Methoden, um ihr eigenes Heilungspotenzial bestmöglich zu fördern.

Physiotherapie ist eine körperorientierte Therapieform. Eine Physiotherapeutin oder ein Physiotherapeut erkennt und korrigiert muskuläre sowie strukturelle Funktionsstörungen. Zur Behandlung der Ursache eines körperlichen Problems werden überwiegend manuelle und körperliche Techniken angewandt. Behandelt werden Patientinnen und Patienten mit Schmerzen, nach Operationen zur Rehabilitation, nach akuten Traumata wie Verkehrsunfällen sowie bei Sportverletzungen.

Beide Methoden haben ihren idealen Zeitpunkt im Rehabilitationsprozess. Nach einer orthopädischen Operation benötigt eine Patientin oder ein Patient beispielsweise Physiotherapie. Nach Abschluss der Rehabilitation wird die Physiotherapeutin oder der Physiotherapeut zu regelmäßiger Bewegung anregen.

Yoga dient in der Regel eher der Erhaltung und Prävention. Zudem liegt es derzeit stark im Trend, Yoga zu praktizieren.

Die Yoga-Therapie stellt eine gezieltere Möglichkeit dar. Sie kann das fehlende Bindeglied für Patientinnen und Patienten sein, denen die Rückkehr zu einer optimalen Gesundheit schwerfällt. Yoga-Therapeutinnen und Yoga-Therapeuten sind darin ausgebildet, individuell anzuleiten, wie sich Menschen bewegen und atmen sollen.

Lange Zeit galt Pilates als bevorzugte Wahl von Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten. Haltungsungleichgewichte und ein bewegungsarmer Lebensstil führen bei vielen Menschen zu einer schwachen Rumpfmuskulatur, was Nacken- und Rückenschmerzen verursachen kann. Viele Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten ließen sich deshalb zu Pilates-Trainerinnen und -Trainern ausbilden, um die Vorzüge beider Methoden miteinander zu verbinden.

Was verändert sich?

In jüngster Zeit entscheiden sich immer mehr Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten für Yoga. Einige medizinische Praxen bieten sogar Yoga-Kurse direkt vor Ort an. Liegt das ausschließlich am allgemeinen „Yoga-Boom“, oder erkennen medizinische Fachkräfte die Vorteile von Yoga?

Zunehmend mehr Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten praktizieren selbst Yoga und qualifizieren sich sogar als Yoga-Lehrkräfte, wenn nicht als Yoga-Therapeutinnen und Yoga-Therapeuten.

Kürzlich hielt ich einen Vortrag für Physiotherapie-Studierende im zweiten Studienjahr an der WITS. Jedes Jahr spreche ich über die Unterschiede und Gemeinsamkeiten von Yoga und Pilates sowie darüber, warum und wann zu welcher Methode überwiesen werden sollte. Mit meinem Vortrag möchte ich den Studierenden vermitteln, dass beide Praktiken Vor- und Nachteile haben. Pilates greift zahlreiche Prinzipien des Yoga auf. Die grundlegenden Unterschiede liegen jedoch in den Atemtechniken.

Jede Gesundheitsfachkraft und jede medizinische Fachperson wird bestätigen, dass Bewegung die Stimmung und das allgemeine Wohlbefinden verbessern kann. Spielt es tatsächlich eine Rolle, welche Bewegungsform jemand wählt?

Die allgemeinen Vorteile von Yoga

  • Yogische Praktiken bieten allen Menschen direkte und spürbare Vorteile – unabhängig von ihren spirituellen Zielen.
  • Yoga fördert Gesundheit und Jugendlichkeit des Körpers.
  • Es schafft geistige Klarheit.
  • Die Praxis eignet sich für jedes Alter und jedes Fitnessniveau.
  • Yoga ist nicht wettbewerbsorientiert.
  • Es kräftigt die tiefer liegende Muskulatur und beinhaltet ein Training der Beweglichkeit.
  • Es ist zugleich körperliche und mentale Therapie.
  • Yoga bietet ein umfassendes Bewegungssystem, das dehnt, kräftigt und formt, zur Verbesserung der Ausrichtung beiträgt und die Gesundheit des gesamten Körpers unterstützt.

Yoga bietet zusätzlich Vorteile für das Herz-Kreislauf-System. Die Körperhaltungen sind isometrisch und können dadurch die kardiovaskuläre Fitness sowie die Durchblutung im Körper verbessern. Studien zeigen, dass regelmäßige Yoga-Praxis möglicherweise dabei hilft, den Blutdruck zu normalisieren.

Ein träges Verdauungssystem kann von der massierenden Wirkung der umgebenden Muskeln und der angeregten Blutzirkulation profitieren.

Da die Gelenke über ihren vollständigen Bewegungsumfang bewegt werden, werden sie angemessen mobilisiert. Sanfte Dehnungen lösen Spannungen und Steifheit in Muskeln und Gelenken. Die Beweglichkeit nimmt zu. Das Halten der Körperhaltungen verbessert Kraft und Ausdauer des Bewegungsapparats.

Zu den langfristigen Vorteilen gehören weniger Stress, Ängste und Erschöpfung. Mit regelmäßiger Praxis verbessern sich Konzentration, Energieniveau und das allgemeine Wohlbefinden.

Viele Atemkontrolltechniken des Pranayama beruhigen das parasympathische Nervensystem. Die Aktivierung der körpereigenen Entspannungsreaktion kann unserem sehr fordernden modernen Lebensstil entgegenwirken.

Wenn unser Körper fortlaufend einer Überflutung durch Reize und Anforderungen ausgesetzt ist, wird echte Heilung nahezu unmöglich.

Ergebnisse aus der Kombination von Yoga und Physiotherapie

Ich arbeite häufig mit Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten zusammen, um die Rehabilitation zu unterstützen und eine optimale Gelenkintegrität, die allgemeine Beweglichkeit, Schmerzsymptome und das Stressniveau zu verbessern.

Diese Fotos wurden zwischen Januar und August 2019 von einer Patientin aufgenommen. Zu ihren Beschwerden gehörten starke Knieschmerzen, eine Instabilität des Sprunggelenks und Probleme mit der Haltungsausrichtung. Im März 2019 begann sie mit einer regelmäßigen Yoga-Praxis, bestehend aus einem Kurs pro Woche.

Die Schülerin profitierte von einem allgemeinen Gewichtsverlust. Entscheidender sind jedoch die allgemeinen Haltungsverbesserungen. Die nach hinten durchgedrückten Knie haben sich verbessert, ebenso wie die Veränderung der kyphotischen und lordotischen Krümmungen der Wirbelsäule.

Meiner Erfahrung nach ist Yoga bei chronischen Schmerzen und „gelben Flaggen“ eine deutlich bessere Bewegungsmethode. Wegen seines ausgeprägten Beweglichkeitsanteils ist Yoga auch für die allgemeine Mobilität besser geeignet. Konkrete Werkzeuge wie Meditation und Pranayama können Veränderungen und die Genesung fördern.

Was Physiotherapeutinnen und Physiotherapeuten über Yoga sagen

Als Physiotherapeutin habe ich sowohl Pilates als auch Yoga praktiziert. Ich habe Patientinnen und Patienten an beide Angebote überwiesen, weil ich überzeugt bin, dass beide ein gutes Bewusstsein für Haltung, Körperwahrnehmung und Disziplin fördern. Ich erkläre, dass Pilates einen deutlich stärkeren Fokus auf den abdominalen ‚Core‘ legt. Yoga konzentriert sich hingegen auf Haltung und Muskellänge, während der abdominale Core seine Aufgabe ohne gezielte Konzentration oder bewusste Aufmerksamkeit erfüllt. Das geschieht funktionaler. Persönlich empfinde ich die Atmung im Yoga als natürlicher, die Positionen als funktionaler und die mentale Komponente als erfrischend und regenerierend!

Beide haben einen bedeutenden Platz in der Rehabilitation – vorausgesetzt, man findet die richtige Therapeutin oder den richtigen Therapeuten. Es sind zwei eigenständige Disziplinen! Ich kenne nicht alle Yoga-Varianten – und das sehe ich positiv, denn innerhalb dieser Disziplin gibt es so viel Auswahl und so viele Herausforderungen!“

Lindsay Harris – Physioworx

Patientin A* hatte chronische Schmerzen im unteren Rücken und ein angstvermeidendes Verhalten. Sie hatte zu viel Angst, sich zu bewegen! Sie probierte Pilates aus, aber ich bat sie tatsächlich, damit aufzuhören. Während Pilates spannte sie alle Muskelgruppen an und hatte Schwierigkeiten, ihren Core isoliert anzusteuern. Ich riet ihr zu Yoga, weil es ihr ermöglichte, in einer sanften, kontrollierten Umgebung mehr Beweglichkeit in ihren Rückenbewegungen zu entwickeln. Sie gewann mehr Vertrauen darin, ihren Rücken zu bewegen, und kräftigte gleichzeitig ihren Core. Yoga half ihr, ihren Geist zu beruhigen und allgemeine Ängste zu verringern.*

**Patientin B* war ursprünglich eine Pilates-Anhängerin, bis ich sie behandelte. Sie hatte das Gefühl, dass es ihr nicht mehr half. Die Patientin hat eine schwere Skoliose und ist hypomobil. Dadurch leidet sie unter Nacken- und Rückenschmerzen und ist sehr schwach. Die Dehnübungen und die Rumpfarbeit im Yoga brachten ihr große Vorteile. Beruflich ist sie eine sehr beschäftigte Frau. Ihre Rückmeldung war, dass Yoga sowohl ihre Muskelkraft als auch ihre Beweglichkeit gezielt ansprach und zudem ihren Geist beruhigte.“*

Caroline Hawkins

Auf meiner Website finden Sie mehrere Online-Module unter „Grundlagen der Anatomie“.

Diese eignen sich hervorragend, um anatomisches Wissen aufzufrischen, zu wiederholen und auf den neuesten Stand zu bringen.

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