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Sommerzeit und Schlaganfall: Warum die ersten Tage besonders kritisch sind

Mann misst seinen Blutdruck am Küchentisch und wirkt dabei besorgt, neben Uhr und Teetasse.

Die Uhren werden vorgestellt, die Tage wirken länger, die Laune steigt – so wird der Start der Sommerzeit häufig wahrgenommen. Doch hinter der scheinbar unbedenklichen Zeitumstellung verbirgt sich ein gesundheitliches Risiko, das Notaufnahmen weltweit seit Jahren beobachten: Unmittelbar nach dem Wechsel nach vorn treten Schlaganfälle häufiger auf. Eine Forschungsgruppe aus Finnland hat diesen Zusammenhang genauer untersucht und dabei bemerkenswert eindeutige Resultate erzielt.

Wie die Sommerzeit die innere Uhr beeinflusst

In der Nacht auf den letzten Sonntag im März werden die Uhren um eine Stunde vorgerückt. Dadurch fehlt uns rechnerisch eine Stunde Schlaf, während die Abende länger hell bleiben. Für den Körper ist diese Änderung jedoch weit mehr als eine Kleinigkeit: Sie ähnelt einem kurzen Jetlag.

Verantwortlich ist der zirkadiane Rhythmus, also die körpereigene innere Uhr. Er regelt unter anderem Schlaf, Blutdruck, Hormonhaushalt und Herzfrequenz – und beeinflusst damit auch die Stabilität des Herz-Kreislauf-Systems. Bereits eine Verschiebung um eine Stunde kann dieses präzise Zusammenspiel vorübergehend stören.

Forschende sprechen von einem messbaren Anstieg von Schlaganfällen in den ersten 48 Stunden nach der Umstellung auf die Sommerzeit.

Besonders häufig betrifft dies ischämische Schlaganfälle. Dabei blockiert ein Blutgerinnsel eine Arterie im Gehirn, sodass Nervengewebe nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird. Diese Form ist weltweit die häufigste Art von Schlaganfall.

Die finnische Studie: Zehn Jahre Daten mit eindeutigem Muster

Ein finnisches Forschungsteam wertete über zehn Jahre hinweg sämtliche Schlaganfälle eines landesweiten Registers systematisch aus. Besonderes Augenmerk lag auf den Wochen rund um die Umstellung auf die Sommerzeit.

Die Forschenden stellten dafür folgende Gruppen gegenüber:

  • etwa 3.000 Patienten, die in der Woche unmittelbar nach der Zeitumstellung wegen eines Schlaganfalls ins Krankenhaus kamen,
  • und mehr als 11.000 Patienten, deren Schlaganfall zwei Wochen vor oder zwei Wochen nach dieser Umstellungswoche geschah.

Die umfangreiche Datengrundlage zeigte mehrere wesentliche Muster:

  • Der Zeitpunkt der Schlaganfälle veränderte sich: Sie ereigneten sich öfter zu bestimmten Tageszeiten, was zu einer gestörten inneren Uhr passt.
  • Besonders deutlich war ein Anstieg in den ersten zwei Tagen nach Beginn der Sommerzeit, also am darauffolgenden Montag und Dienstag.
  • Einige Gruppen waren wesentlich häufiger betroffen, insbesondere Menschen mit Krebserkrankungen sowie ältere Personen.

Erfreulicherweise ließ sich in dieser Auswertung kein messbarer Einfluss der Zeitumstellung auf die Sterblichkeit feststellen: Die Zahl der Patienten, die im Krankenhaus infolge eines Schlaganfalls starben, blieb unverändert. Dennoch verursacht jeder zusätzliche Schlaganfall Leid, dauerhafte Folgen und hohe Kosten – und vermutlich wäre ein Teil dieser Fälle vermeidbar.

Wer ein erhöhtes Schlaganfall-Risiko hat

Die Zeitumstellung belastet nicht alle Menschen in gleichem Maß. Die finnischen Daten weisen besonders auf zwei Risikogruppen hin:

Risikogruppe Erhöhter Schlaganfall-Risikoanstieg nach Sommerzeit
Menschen mit Krebserkrankung etwa +25 %
Menschen ab 65 Jahren etwa +20 %

Weshalb sind gerade diese Menschen stärker gefährdet? Dafür kommen verschiedene Ursachen infrage:

  • Krankheit oder höheres Alter beanspruchen den Körper bereits zusätzlich.
  • Die Blutgerinnung und die Gefäßwände reagieren empfindlicher auf Belastungen.
  • Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes oder Herzrhythmusstörungen treten häufiger auf.

Zusätzlich zählen Personen mit grundsätzlich schlechtem Schlaf, Menschen im Schichtdienst und Menschen mit bestehenden Herz-Kreislauf-Beschwerden zu den potenziell stärker Betroffenen. Die weitere Störung des Schlaf-Wach-Rhythmus kann sie noch leichter aus dem Gleichgewicht bringen.

Typische Warnsignale eines Schlaganfalls

Ein Schlaganfall ist stets ein medizinischer Notfall. Weil Gehirngewebe ohne Sauerstoff sehr schnell abstirbt, kommt es auf jede Minute an. Wer die Symptome erkennt, kann rascher reagieren und damit häufig Sprache, Beweglichkeit oder sogar Leben retten.

Bei Verdacht auf Schlaganfall gilt: sofort den Notruf wählen – lieber einmal zu viel als einmal zu wenig.

Zu den wichtigsten Warnzeichen gehören:

  • Plötzlich auftretende Lähmungen oder Taubheitsgefühle im Gesicht, an einem Arm oder an einem Bein – häufig nur auf einer Seite des Körpers.
  • Sehstörungen, etwa ein Ausfall des halben Gesichtsfelds, der Verlust des Sehvermögens auf einem Auge oder Doppelbilder.
  • Sprach- und Sprechstörungen: Wörter können nicht gebildet werden, die Sprache klingt undeutlich oder unverständlich, einfache Sätze werden nicht mehr verstanden.
  • Gefühlsverlust für Berührung, Wärme oder Schmerz in einzelnen Körperbereichen.
  • Unvermittelt einsetzende, ungewöhnlich starke Kopfschmerzen, oft verbunden mit Übelkeit.
  • Schwindel, Gleichgewichtsstörungen oder unsicheres Gehen, ebenso unerklärliche Stürze.
  • Bewusstseinsstörungen, die von ausgeprägter Schläfrigkeit bis zum Koma reichen können.

Als einfache Gedächtnisstütze dient die FAST-Regel, die im Deutschen häufig auch FAST-Test heißt:

  • Face (Gesicht): Ist ein Mundwinkel herabgesunken?
  • Arm: Kann die betroffene Person beide Arme anheben und oben halten?
  • Speech (Sprache): Klingt die Sprache verwaschen oder ergibt sie keinen Sinn?
  • Time (Zeit): Unverzüglich den Notruf wählen und keine Zeit verlieren.

Wie sich die kritischen Apriltage entschärfen lassen

Das Schlaganfall-Risiko lässt sich in diesen Tagen nicht vollständig ausschließen. Mit kleinen Anpassungen im Alltag kann die Belastung für den Körper jedoch deutlich sinken – besonders bei bestehenden Vorerkrankungen.

Den Schlafrhythmus rechtzeitig verschieben

Experten empfehlen, nicht erst in der Nacht der Umstellung zu handeln. Sinnvoll ist diese Vorgehensweise:

  • Bereits drei bis vier Tage vor dem Wechsel jeden Abend 10–15 Minuten früher schlafen gehen.
  • Den Wecker morgens schrittweise früher stellen, sofort aufstehen und nicht die Schlummertaste nutzen.
  • Kurz vor dem Zubettgehen auf üppige Mahlzeiten, Alkohol und sehr helles Bildschirmlicht verzichten.

Wer nach der Zeitumstellung dennoch stark erschöpft ist, sollte intensive körperliche Belastungen, lange Fahrten mit dem Auto und zusätzlichen Stress nach Möglichkeit verschieben.

Blutdruck und Medikamente kontrollieren

Zahlreiche Schlaganfälle stehen im Zusammenhang mit unzureichend eingestelltem Bluthochdruck oder Medikamenten, die nicht regelmäßig eingenommen werden. Gerade während der Umstellungsphase lohnt sich daher besondere Aufmerksamkeit:

  • Den Blutdruck morgens und abends messen sowie die Werte aufschreiben.
  • Medikamente zuverlässig zu den üblichen Uhrzeiten nehmen; bei Unsicherheit sollte mit der Arztpraxis geklärt werden, ob die Zeitumstellung Anpassungen erforderlich macht.
  • Symptome wie starke Kopfschmerzen, Brustschmerzen oder einen ungewöhnlichen Herzschlag ernst nehmen.

Warum eine einzige Stunde viel bewirken kann

Viele Menschen unterschätzen, wie sehr der Körper auf feste Abläufe eingestellt ist. Hormone wie Cortisol und Melatonin folgen exakten zeitlichen Mustern. Blutdruck und Herzfrequenz nehmen typischerweise morgens zu und gehen nachts zurück. Wird dieser Rhythmus gestört, steigt kurzfristig die Belastung für Herz und Gefäße.

Mediziner gehen davon aus, dass rund um die Zeitumstellung mehrere Mechanismen gleichzeitig wirken:

  • Schlafmangel fördert Entzündungen und steigert die Neigung des Blutes zur Gerinnung.
  • Stressreaktionen lassen Blutdruck und Puls ansteigen.
  • Ein veränderter Tagesablauf mit anderen Essenszeiten, weniger Bewegung oder mehr Kaffee beeinflusst ebenfalls Gefäße und Blutgerinnung.

Bei gesunden jüngeren Menschen kann der Körper diese Belastung meist ausgleichen. Wer durch Alter, Erkrankungen oder Risikofaktoren ohnehin stärker belastet ist, reagiert dagegen anfälliger.

Wie sich dieses Wissen im Alltag anwenden lässt

Die Erkenntnis, dass insbesondere die ersten Apriltage kritischer sein können, eröffnet eine einfache Möglichkeit: Diese kurze Zeitspanne lässt sich bewusst entschärfen. Hausärzte können gefährdete Patienten frühzeitig darauf hinweisen, Angehörige älterer oder schwer erkrankter Menschen können genauer aufmerksam sein, und jeder kann Schlaf sowie Stress gezielt beobachten.

Für Menschen aus einer Risikogruppe kann die Zeitumstellung auch Anlass sein, den allgemeinen Schutz vor Schlaganfällen zu verbessern: den Blutdruck kontrollieren lassen, das Rauchen überdenken sowie Gewicht und Bewegung angehen. Die Zeitverschiebung ist möglicherweise nur ein kleiner Auslöser – die Grundlage für einen Schlaganfall entwickelt sich meist über viele Jahre.

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