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Aromatisiertes Wasser: Gesunde Alternative oder Softdrink im Gewand?

Mann im Supermarkt betrachtet Wasserflasche im Gang mit Getränken, Einkaufskorb mit Obst dabei.

Aromatisierte Wässer wirken wie eine leichte, gesunde Alternative zu Limonaden und anderen Softdrinks.

Hinter den Etiketten ist die Realität jedoch komplizierter.

Während sich die Supermarktregale mit Wässern in den Sorten Zitrone, Grapefruit sowie Pfirsich-Aprikose füllen, untersucht das französische Verbrauchermagazin 60 Millions de consommateurs, was tatsächlich in diesen Flaschen steckt, wie die Produkte verarbeitet werden und wer daran verdient. Die Ergebnisse betreffen die Gesundheit, den Geldbeutel und sogar Kommunen, die über begehrte Wasserquellen verfügen.

Aromatisiertes Wasser: Softdrink im Wasser-Gewand?

Aromatisierte Wässer gibt es bereits seit Ende der 1980er-Jahre, doch erst in jüngerer Zeit haben sie sich zu einer eigenständigen, wichtigen Produktkategorie entwickelt. Allein in Frankreich belief sich der Umsatz zwischen Mai 2024 und Mai 2025 laut dem Marktforschungsunternehmen Circana auf rund 199,5 Millionen €.

Diese Summe klingt hoch, bleibt jedoch deutlich hinter dem Umsatz mit stillem abgefülltem Wasser zurück. Natürliches stilles Wasser erzielte im selben Zeitraum allein etwa 2,5 Milliarden €. Aromatisierte Flaschen sind weiterhin ein Nischenprodukt, allerdings eines mit starkem Wachstum – und genau diese Beliebtheit wirft neue Fragen zu ihrem Gesundheitsprofil auf.

Aromatisierte Wässer stehen im Regal oft neben Mineralwasser, ernährungsphysiologisch verhalten sie sich jedoch wesentlich eher wie Softdrinks.

Die meisten Marken setzen Zucker zu. Ein übliches Glas mit 200 ml enthält meist zwischen 5 und 10 Gramm. Manche Produkte kommen sogar auf 15–16 Gramm, also etwa zweieinhalb Stück Würfelzucker. Damit liegen sie beim Süßegrad nahe an klassischer Limonade.

Zum Vergleich: Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt Erwachsenen für eine optimale Gesundheit, nicht nur zur Einhaltung des offiziellen Höchstwerts von 50 Gramm, freie Zucker auf etwa 25 Gramm pro Tag zu begrenzen. Schon zwei großzügig eingeschenkte Gläser aromatisiertes Wasser können einen Großteil dieses „Budgets“ aufbrauchen.

Nicht derselbe rechtliche Status wie Mineralwasser

Ein verbreiteter Irrtum besteht darin, aromatisiertes Wasser sei einfach „Mineralwasser mit einem Hauch Frucht“. Rechtlich und technisch trifft das nicht zu.

Nach europäischem Recht genießen natürliches Mineralwasser und Quellwasser einen geschützten Status. Sie müssen direkt an der Quelle abgefüllt werden, dürfen nicht desinfiziert werden und ihr Mineralstoffgehalt muss konstant bleiben. Das gesamte Marketingversprechen beruht auf Reinheit und der unmittelbaren Verbindung zur Quelle.

Sobald Aromen, Süßstoffe oder andere Zutaten hinzukommen, ändert sich dieser Status. Selbst wenn die Basis ursprünglich Mineral- oder Quellwasser ist, fallen aromatisierte Produkte in eine andere rechtliche Kategorie: Sie werden eher wie Softdrinks als wie Wasser aus geschützten Quellen behandelt.

Anders als natürliches Mineralwasser können aromatisierte Wässer Desinfektions- und Verarbeitungsschritten unterliegen, die denen bei Leitungswasser ähneln.

Durch diese rechtliche Einordnung erhalten Hersteller deutlich mehr Spielraum, für Verbraucherinnen und Verbraucher werden die Unterschiede aber weniger klar. Auf vielen Flaschen steht der Name eines bekannten Kurorts oder einer natürlichen Quelle gut sichtbar, während der Hinweis, dass es sich rechtlich nicht mehr um „Mineralwasser“ handelt, nur klein gedruckt erscheint.

Was „Behandlung“ in der Praxis bedeuten kann

Die Vorschriften erlauben bei aromatisiertem Wasser verschiedene Behandlungen, die auch in der üblichen Trinkwasseraufbereitung eingesetzt werden, zum Beispiel:

  • Filtration zur Entfernung von Partikeln und zur Anpassung der Klarheit
  • Desinfektion, häufig mit Ozon oder ultraviolettem Licht
  • Anpassung des Kohlensäuregehalts durch Zugabe oder Entzug von CO₂
  • Geschmackskorrektur mit Zusatzstoffen in Lebensmittelqualität

Solche Verfahren sind weder ungewöhnlich noch grundsätzlich gefährlich. Kommunales Leitungswasser wird in ganz Europa auf ähnliche Weise aufbereitet. Der Unterschied besteht darin, dass Mineralwasser von genau solchen Eingriffen ausdrücklich ausgenommen ist, aromatisiertes Wasser dagegen nicht.

Zucker, Süßstoffe und „Genussgetränke“

Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht ist der Abstand zwischen reinem Wasser und aromatisierten Flaschen erheblich. 60 Millions de consommateurs betont, dass der Zuckergehalt vieler aromatisierter Wässer „alles andere als vernachlässigbar“ sei – besonders für Kinder, die diese Getränke möglicherweise täglich konsumieren.

Diese Getränke gehören eher in die Kategorie „Genuss“ als in die Kategorie „alltägliche Flüssigkeitsversorgung“.

Einige Marken bieten inzwischen Varianten ohne Zuckerzusatz oder „Zero“-Produkte an und verwenden stattdessen Süßstoffe. Das kann die Kalorienmenge senken, doch es bestehen weiterhin Fragen dazu, wie intensiv süßende Stoffe die Appetitregulierung und Geschmacksvorlieben beeinflussen – insbesondere bei jüngeren Konsumentinnen und Konsumenten.

Eltern stehen damit vor einem bekannten Abwägungsproblem: Aromatisierte Wässer können Kinder dazu bringen, mehr Flüssigkeit zu trinken als pures Wasser. Häufiger Zuckerkontakt beeinträchtigt jedoch weiterhin die Zahngesundheit und erhöht langfristig das Stoffwechselrisiko.

So schneidet ein typisches Glas ab

Getränk (200 ml) Zucker, ungefähr Anmerkung
Leitungswasser 0 g Ausschließlich Flüssigkeitsversorgung
Stilles Mineralwasser 0 g Mineralstoffgehalt variiert je nach Marke
Aromatisiertes Wasser (typisch) 5–10 g Eher mit einem leichten Softdrink vergleichbar
Aromatisiertes Wasser (oberer Bereich) 15–16 g Vergleichbar mit Limonade

Für Erwachsene, die ihr Gewicht oder ihren Blutzucker kontrollieren möchten, reduziert der Wechsel von Cola zu einem süßen aromatisierten Wasser zwar die Zuckeraufnahme – allerdings weit weniger stark, als viele erwarten.

Abgefülltes Wasser als lokale Einnahmequelle

Hinter jeder Flasche steht eine Region. In Frankreich erhalten Gemeinden, auf deren Gebiet sich Quellen oder Wassergewinnungsanlagen befinden, Zahlungen der Betreiber. Ihre Höhe richtet sich danach, wie viel Wasser entnommen und abgefüllt wird.

Die grundlegende Abgabe ist auf 0,58 € je Hektoliter (100 Liter) begrenzt; exportierte Mengen sind davon ausgenommen. Zusätzlich wird ein besonderer Beitrag von 0,53 € je Hektoliter erhoben, der zur Finanzierung der Altersversorgung selbstständiger Landwirte beiträgt.

Für bestimmte Kurorte stellen Abgaben aus abgefülltem Wasser eine kontinuierliche und gut sichtbare Einnahmequelle dar, die lokale Politik und Planungsentscheidungen beeinflussen kann.

2024 profitierten mehrere bekannte Wasserorte erheblich:

  • Volvic: rund 3,8 Millionen € Einnahmen
  • Vittel: etwa 2,3 Millionen €
  • Évian-les-Bains: ungefähr 2 Millionen €
  • La Salvetat-sur-Agout: circa 1 Million €

Diese Beträge sind weit mehr als ein bloßer Nebenverdienst. Sie fließen in kommunale Haushalte und helfen bei der Finanzierung öffentlicher Projekte, der Infrastruktur oder lokaler Dienstleistungen. Die wirtschaftliche Bedeutung von abgefülltem Wasser reicht somit weit über das Supermarktregal hinaus.

Aromatisiertes Wasser und regionale Spannungen

Mit wachsender Nachfrage nach abgefüllten Produkten – einschließlich aromatisierter Varianten – kann der Druck auf Grundwasserleiter und lokale Ökosysteme zunehmen. Gemeinden, die bereits von Wasserknappheit betroffen sind, stellen mitunter infrage, ob die industrielle Entnahme für kommerzielle Getränke Vorrang vor landwirtschaftlichem oder privatem Bedarf haben sollte.

In diesem Zusammenhang wird die scheinbar harmlose Flasche aromatisiertes Wasser Teil einer größeren Debatte über Wasser als gemeinschaftliche Ressource, unternehmerische Verantwortung und eine angemessene Gegenleistung für die Regionen, in denen die Quellen liegen.

Das Etikett kritisch lesen

Wer einige technische Begriffe versteht, kann beim Einkauf wesentlich besser einschätzen, was sich in der Flasche befindet.

  • „Natürliches Mineralwasser“ steht für strenge Schutzvorschriften und den Verzicht auf Desinfektionsbehandlungen.
  • „Quellwasser“ ähnelt Leitungswasser hinsichtlich seiner Zusammensetzung stärker, wird aber weiterhin an der Quelle abgefüllt.
  • „Aromatisiertes Wasser“ oder „Wasserbasis-Softdrink“ weist auf zugesetzte Zutaten und flexiblere Verarbeitung hin.
  • „Aromen“ oder „Aromastoffe“ können natürlich oder künstlich sein; das Etikett nennt ihre genaue Herkunft nur selten detailliert.

Steht Zucker weit oben in der Zutatenliste, verhält sich das Produkt im Grunde wie ein Softdrink – unabhängig davon, wie „leicht“ die Werbung erscheint. Werden Süßstoffe wie Acesulfam K, Sucralose oder Stevia aufgeführt, ist mit süßem Geschmack zu rechnen, jedoch ohne die gleiche Kalorienmenge.

Praktische Alternativen und Alltagssituationen

Realistisch betrachtet genießen viele Menschen aromatisierte Wässer weiterhin an heißen Tagen oder als kleine Belohnung. Entscheidend ist, wie häufig und in welchen Mengen sie getrunken werden.

Drei typische Alltagssituationen verdeutlichen dies:

  • Tägliches Standardgetränk: Zwei Flaschen mit jeweils 500 ml zuckerhaltigem aromatisiertem Wasser können pro Tag 50–80 Gramm Zucker liefern – mehr als viele kohlensäurehaltige Softdrinks.
  • Gelegentlicher Genuss: Eine kleine Flasche ein- oder zweimal wöchentlich hält die Zuckeraufnahme niedrig und behandelt das Getränk als Genuss statt als Basisgetränk.
  • Hilfsmittel für den Umstieg: Der Wechsel von zuckerhaltigen Softdrinks zu ungesüßtem aromatisiertem Wasser und danach zu leicht aromatisiertem Leitungswasser kann den Übergang zu insgesamt weniger Süße erleichtern.

Zu Hause lassen sich Zucker und Verpackungsmüll mit einfachen Alternativen reduzieren: Kalt angesetztes Leitungswasser mit Scheiben von Zitrusfrüchten oder Gurke, mit Minze oder tiefgekühlten Beeren sorgt für einen dezenten Geschmack, benötigt keine zusätzliche Verarbeitung und kostet kaum etwas.

Gesundheit, Umwelt und das Gesamtbild

Aromatisierte Flaschenwässer stehen an der Schnittstelle mehrerer Entwicklungen: zunehmender Sorgen um die Qualität von Leitungswasser, der Vermarktung „gesünderer“ Softdrinks und der Suche nach neuen Einnahmequellen in einem gesättigten Getränkemarkt.

Für Einzelpersonen liegen die wichtigsten Risiken im versteckten Zuckerkonsum und in der Annahme, jedes Getränk auf Wasserbasis sei eine neutrale Form der Flüssigkeitsversorgung. Für Gemeinden geht es um die Nutzung des Grundwassers, die wirtschaftliche Abhängigkeit von wenigen großen Marken und die langfristige Nachhaltigkeit der Entnahmemengen.

Das Wissen, dass aromatisierte Wässer häufig behandelt werden, mitunter stark gesüßt sind und wirtschaftlich erhebliches Gewicht haben, hilft dabei, die bunten Flaschen realistisch einzuordnen: keine Bösewichte, keine Wundermittel, sondern verarbeitete Produkte, die mit klarem Blick und etwas Zurückhaltung ausgewählt werden sollten.

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