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Shingrix könnte Demenzbeginn verzögern

Älterer Mann erhält nach Impfung vom medizinischen Personal ein Pflaster am Oberarm.

Eine kürzlich veröffentlichte Studie legt nahe, dass Shingrix, ein vergleichsweise neuer Impfstoff zum Schutz älterer Menschen vor Gürtelrose, den Beginn einer Demenz hinauszögern könnte.

Der Zusammenhang mag zunächst ungewöhnlich wirken. Frühere Untersuchungen hatten jedoch bereits ergeben, dass Zostavax, eine ältere Impfung gegen Gürtelrose, das Demenzrisiko senkte.

In der vergangenen Woche berichteten Forschende aus dem Vereinigten Königreich in der Fachzeitschrift Nature Medicine, dass Shingrix den Demenzbeginn im Vergleich zu Zostavax um 17 Prozent verzögerte.

Wie kamen die Forschenden zu diesem Ergebnis – und auf welche Weise könnte eine Gürtelroseimpfung das Demenzrisiko beeinflussen?

Von Zostavax zu Shingrix

Gürtelrose ist eine durch das Varizella-Zoster-Virus verursachte Virusinfektion. Sie führt zu schmerzhaften Hautausschlägen und betrifft besonders häufig ältere Menschen.

Früher kam zur Impfung gegen Gürtelrose Zostavax zum Einsatz. Der Impfstoff wurde einmalig verabreicht und bot über etwa fünf Jahre einen guten Schutz.

Shingrix basiert auf einer neueren Impftechnologie und soll einen stärkeren sowie länger anhaltenden Schutz bieten. Die Impfung wird in zwei Dosen gegeben und gilt inzwischen in Australien und anderen Ländern als bevorzugte Option zur Vorbeugung von Gürtelrose.

Im November 2023 löste Shingrix Zostavax im australischen Nationalen Impfprogramm ab. Dadurch wurde der Impfstoff für Menschen mit dem höchsten Risiko für Komplikationen durch Gürtelrose kostenlos verfügbar. Dazu zählen alle Erwachsenen ab 65 Jahren, Angehörige der First Nations ab 50 Jahren sowie jüngere Erwachsene mit bestimmten Erkrankungen, die ihr Immunsystem beeinträchtigen.

Was die Studie zu Shingrix und Demenz ergab

Die US-Arzneimittelbehörde FDA genehmigte Shingrix im Oktober 2017. Den Wechsel von Zostavax zu Shingrix in den Vereinigten Staaten nutzte das Forschungsteam der neuen Studie als Untersuchungsmöglichkeit.

Es wählte 103.837 Personen aus, die zwischen Oktober 2014 und September 2017 Zostavax erhalten hatten, und verglich sie mit 103.837 Personen, die zwischen November 2017 und Oktober 2020 mit Shingrix geimpft worden waren.

Die Auswertung elektronischer Gesundheitsakten zeigte, dass Menschen mit Shingrix während der Nachbeobachtungszeit – bis zu sechs Jahre nach der Impfung – eine um 17 Prozent längere „diagnosefreie Zeit“ hatten als Personen mit Zostavax. Im Durchschnitt entsprach dies 164 zusätzlichen Tagen ohne Demenzdiagnose.

Zudem stellten die Forschenden die Gürtelroseimpfstoffe anderen Impfungen gegenüber: der Grippeimpfung sowie einer Kombinationsimpfung gegen Tetanus, Diphtherie und Keuchhusten. Shingrix und Zostavax schnitten bei der Verringerung des Risikos einer Demenzdiagnose etwa 14–27 Prozent besser ab, wobei Shingrix mit einer stärkeren Verbesserung verbunden war.

Der mit Shingrix assoziierte Vorteil beim Demenzrisiko war bei beiden Geschlechtern deutlich, fiel jedoch bei Frauen stärker aus. Das überrascht nicht vollständig, denn Frauen haben aufgrund des Zusammenspiels biologischer Faktoren ein höheres Demenzrisiko. Dazu gehören eine stärkere Empfindlichkeit gegenüber bestimmten mit Demenz verbundenen Genmutationen und hormonelle Unterschiede.

Weshalb könnte ein Zusammenhang bestehen?

Die Annahme, dass Impfungen gegen Virusinfektionen das Demenzrisiko verringern können, gibt es seit mehr als zwei Jahrzehnten. Beobachtet wurden Zusammenhänge zwischen Impfungen – etwa gegen Diphtherie, Tetanus, Polio und Grippe – und dem späteren Demenzrisiko.

Untersuchungen zufolge kann eine Zostavax-Impfung das Risiko, an Demenz zu erkranken, gegenüber ungeimpften Menschen um 20 Prozent senken.

Möglicherweise schützen allerdings nicht die Impfstoffe selbst vor Demenz. Der Effekt könnte vielmehr daraus entstehen, dass Virusinfektionen ausbleiben. Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass sowohl bakterielle Infektionen im Darm als auch Virusinfektionen mit einem höheren Demenzrisiko verbunden sind.

Besonders auffällig ist, dass unbehandelte Infektionen mit dem Herpes-simplex-Virus – einem nahen Verwandten des Varizella-Zoster-Virus, das Gürtelrose verursacht – das Risiko einer Demenzerkrankung deutlich erhöhen können. Studien haben ausserdem gezeigt, dass Gürtelrose das Risiko einer späteren Demenzdiagnose steigert.

Der genaue Mechanismus ist noch nicht vollständig geklärt. Zwei mögliche Wege könnten jedoch erklären, weshalb Infektionen das Demenzrisiko erhöhen.

Erstens entstehen während der Entwicklung eines Babys im Mutterleib bestimmte Moleküle, die die Entwicklung des Körpers unterstützen. Diese Moleküle können Entzündungen auslösen und die Alterung beschleunigen, weshalb ihre Produktion um den Zeitpunkt der Geburt herum unterdrückt wird. Virusinfektionen wie Gürtelrose könnten die Herstellung dieser Moleküle im Erwachsenenalter jedoch erneut aktivieren, was theoretisch zu Demenz führen könnte.

Zweitens wird bei Alzheimer-Krankheit ein bestimmtes Protein namens Amyloid-β fehlgeleitet und zerstört Gehirnzellen. Bestimmte Proteine, die von Viren wie COVID und schädlichen Darmbakterien gebildet werden, können Amyloid-β in seiner toxischen Form unterstützen. Unter Laborbedingungen beschleunigten diese Proteine nachweislich den Beginn einer Demenz.

Was bedeuten die Ergebnisse?

Mit der alternden Bevölkerung wird die Belastung durch Demenz in den kommenden Jahren voraussichtlich weiter zunehmen. Über die Ursachen dieser Erkrankung und die Möglichkeiten zu ihrer Prävention und Behandlung gibt es noch viel zu lernen.

Die neue Studie weist einige Einschränkungen auf. So bedeutet eine längere Zeit ohne Diagnose nicht zwangsläufig eine längere Zeit ohne Erkrankung. Bei manchen Menschen könnte die Krankheit bereits bestehen, aber erst später erkannt werden.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Shingrix einen unauffälligen Zusatznutzen haben könnte. Für die Schlussfolgerung, antivirale Impfstoffe zur Demenzprävention einsetzen zu können, ist es jedoch noch zu früh.

Insgesamt braucht es weitere Forschung, die den Zusammenhang zwischen Infektionen und Demenz detaillierter untersucht. Dies wird dabei helfen, die grundlegenden Ursachen von Demenz besser zu verstehen und mögliche Therapien zu entwickeln.

Ibrahim Javed, Enterprise and NHMRC Emerging Leadership Fellow, UniSA Clinical & Health Sciences, University of South Australia

Dieser Artikel wurde unter einer Creative-Commons-Lizenz von The Conversation erneut veröffentlicht. Lesen Sie den Originalartikel.

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