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4 seltene Wege, schwanger zu werden – ohne Geschlechtsverkehr

Junge Frau sitzt auf Bett und schaut besorgt auf einen Schwangerschaftstest mit Symbolen von Zeit und Entscheidung.

Wer im Sexualkundeunterricht nicht gefehlt hat, versteht wahrscheinlich zumindest die Grundlagen der Fortpflanzung: Damit neues Leben entstehen kann, muss eine Eizelle innerhalb eines genau festgelegten Zeitfensters des Menstruationszyklus von einem Spermium befruchtet werden.

Geschlechtsverkehr schafft dafür die günstigsten Voraussetzungen. Dennoch entsteht nicht jede Schwangerschaft auf diese Weise.

In extrem seltenen Fällen werden Frauen unter Umständen schwanger, die eigentlich unmöglich erscheinen.

1. Durch Analverkehr

Schwangerschaften infolge von Analverkehr sind zwar ausserordentlich selten, kommen jedoch vor. Bisher wurden sie allerdings nur bei Menschen mit einer angeborenen Fehlbildung des Fortpflanzungssystems beobachtet, der sogenannten Kloakenfehlbildung.

Diese Fehlbildung tritt bei etwa einem von 50.000 Mädchen auf und macht eine korrigierende Operation erforderlich. Selbst danach besteht ein hohes Risiko für Komplikationen wie Nierenversagen, Inkontinenz, Schwierigkeiten beim Schwangerwerden und ein erhöhtes Risiko einer Frühgeburt.

Eine Kloake ist eine „gemeinsame Öffnung“ zum Wasserlassen, für den Stuhlgang und zur Fortpflanzung. Sie kommt typischerweise bei Reptilien, Vögeln und auch beim Schnabeltier vor.

Beim Menschen wächst Gewebe nach unten und unterteilt die Kloake – abhängig vom Geschlecht – in zwei oder drei Öffnungen. In seltenen Fällen trennt dieses Gewebe den Enddarm jedoch nicht vollständig von der Vaginalhöhle.

Dann können Spermien möglicherweise durch Öffnungen in der trennenden Gewebewand zur Eizelle gelangen und sie befruchten. Die befruchtete Eizelle nistet sich anschliessend normalerweise wie üblich in der Gebärmutter ein.

Falls Sie sich fragen, weshalb Spermien nicht einfach weiter im Enddarm nach oben schwimmen: Sie orientieren sich mittels Chemotaxis. Das bedeutet, dass sie geringste Mengen der chemischen Stoffe erkennen können, die von der Eizelle produziert werden.

Je näher die Spermien der Eizelle kommen, desto mehr dieser „Chemoattraktanten“ nehmen sie wahr. Das signalisiert ihnen, dass sie sich weiter in die richtige Richtung bewegen.

2. Durch Oralverkehr – und einen besonders heftigen Streit

Wie zielstrebig Spermien ihren Weg zur Eizelle finden, zeigt sich möglicherweise nirgends deutlicher als in einem der bizarreren Fallberichte der medizinischen Fachliteratur.

Eine junge Frau, die ohne Vagina geboren worden war, suchte wegen wiederkehrender Bauchschmerzen ärztliche Hilfe. Diese ähnelten in vielerlei Hinsicht Wehen.

Weitere Untersuchungen ergaben, dass sich ein Fötus in ihrer Gebärmutter befand und die Schmerzen einsetzten, weil die Frau in den Wehen lag. Das Baby wurde umgehend per Kaiserschnitt entbunden.

Da die junge Frau ohne Vagina geboren worden war, konnte Geschlechtsverkehr als Empfängnisweg ausgeschlossen werden. Exakt 278 Tage zuvor war sie jedoch mit Stichverletzungen im Bauch in ein Krankenhaus eingeliefert worden. Die Verletzungen stammten aus einer Messerstecherei zwischen ihr, ihrem eifersüchtigen Ex-Partner und ihrem neuen Partner.

Es stellte sich heraus, dass sie unmittelbar vor der Messerstecherei Oralverkehr mit ihrem neuen Partner gehabt hatte.

Bei der Operation zur Versorgung ihrer Bauchverletzungen könnten noch vorhandene Spermien in ihre Bauchhöhle gespült worden sein. Dadurch konnten sie möglicherweise zur Eizelle wandern und diese befruchten.

Spermien in der Peritonealhöhle – dem Raum zwischen den Bauchorganen und der Bauchwand – sind keineswegs unbekannt.

Diese Höhle enthält eine besondere Flüssigkeit, die es den Organen ermöglicht, sich zu bewegen, wenn Nahrung den Körper passiert. Forschungen zeigen zudem, dass diese Flüssigkeit das Überleben von Spermien unterstützen und ihnen ermöglichen kann, durch die Höhle zur Eizelle zu gelangen.

3. Spritzschwangerschaften

Eine „Spritzschwangerschaft“ ist eine weitere Möglichkeit, schwanger zu werden, ohne Geschlechtsverkehr gehabt zu haben.

Wie die Bezeichnung nahelegt, können Spermien in die Vagina gelangen und in Richtung Eierstöcke schwimmen, wenn Sperma auf die äusseren Genitalien spritzt.

Spritzschwangerschaften sind sehr unwahrscheinlich. Ausserhalb des Körpers überleben Spermien nämlich höchstens eine halbe Stunde. Gesunde Spermien können zwar bis zu 5 mm pro Minute schwimmen, leben aber nur begrenzt lange – in den weiblichen Genitalien bis zu fünf Tage.

Von den Hunderten Millionen Spermien, die beim Geschlechtsverkehr unter idealen Bedingungen in die Vagina ejakuliert werden, erreichen nur 200–300 die Eizelle. Daran wird deutlich, weshalb eine Spritzschwangerschaft so selten ist.

Eine Spritzschwangerschaft kann nicht durch Spermien im Badewasser oder Whirlpool entstehen. Das Wasser verteilt die Spermien und verdünnt die Samenflüssigkeit, welche die Spermien normalerweise vor den harschen Bedingungen in den weiblichen Genitalien und der Aussenwelt schützt. Auch Chemikalien wie Chlor im Wasser töten Spermien rasch ab.

4. Doppelschwangerschaft

Der Körper verfügt über Mechanismen, die weitere Schwangerschaften verhindern, wenn eine Frau bereits schwanger ist. Das gilt sogar für Frauen, die mit zwei Gebärmüttern geboren werden, denn auch bei ihnen wirken diese Mechanismen stark gegen eine zweite Schwangerschaft.

Hormone unterdrücken den Eisprung und bilden einen dicken Schleimpfropf, der den Gebärmutterhals verschliesst. So wird verhindert, dass Spermien in die Gebärmutter und weiter in Richtung Eierstock gelangen.

Ein Vorgang namens Superfetation setzt diese Regeln jedoch ausser Kraft. Dabei beginnt eine zweite Schwangerschaft, während die erste bereits fortschreitet.

Dieses Phänomen ist so selten, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler noch nicht vollständig verstehen, wie es zustande kommt. Die meisten dokumentierten Fälle betrafen Frauen, die eine IVF-Behandlung genutzt hatten.

Die beiden Schwangerschaften entstehen häufig in sehr kurzem Abstand, meist innerhalb von zwei bis vier Wochen. Deshalb können die Babys zeitgleich wie Zwillinge entbunden werden.

Trotz des Unterschieds im Schwangerschaftsalter verlaufen die meisten dieser Schwangerschaften normal und ohne Komplikationen, die über jene hinausgehen, die allgemein beobachtet werden.

Diese Beispiele sind natürlich extrem selten – Sie müssen sich also vermutlich nicht allzu viele Sorgen machen. Wenn Sie in nächster Zeit nicht schwanger werden möchten, sollten Sie jedoch unbedingt verhüten.

Adam Taylor, Professor und Direktor des Clinical Anatomy Learning Centre, Lancaster University

Dieser Artikel wurde unter einer Creative-Commons-Lizenz aus The Conversation erneut veröffentlicht. Lesen Sie den Originalartikel.

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