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Prostatakrebs: Präzisere Tests und intelligentere Therapien 2025

Ärztin erklärt älterem Patienten auf Tablet Nierenanatomie in heller Praxis mit Modell und Medikamentenflasche.

Prostatakrebs verändert sich rasant: Präzisere Tests, schonendere Bildgebung und intelligentere Medikamente gestalten den Umgang der Ärztinnen und Ärzte mit dieser häufigen Erkrankung neu.

Forschende in Europa und Nordamerika überdenken den gesamten Weg – von der Früherkennung bis zu gengezielten Therapien. Es geht nicht mehr darum, alle Betroffenen gleich zu behandeln, sondern den richtigen Krebs zum richtigen Zeitpunkt mit der passenden Intensität zu therapieren.

Eine häufige Krebserkrankung, die jahrelang unbemerkt bleiben kann

In vielen westlichen Ländern ist Prostatakrebs die am häufigsten diagnostizierte Krebserkrankung bei Männern. Die meisten Fälle treten nach dem 50. Lebensjahr auf und verursachen lange Zeit keine Beschwerden. Manche Tumoren wachsen kaum, andere verlaufen aggressiv, streuen in Knochen oder Lymphknoten und können lebensbedrohlich werden.

Die Erkrankung entsteht in der Prostata, einer kleinen Drüse unterhalb der Harnblase, die an der Bildung von Samenflüssigkeit beteiligt ist. Die häufigste Form heisst Adenokarzinom. Falls früh Beschwerden auftreten, sind sie oft unspezifisch: ein schwächerer Harnstrahl, nächtlicher Harndrang, Beckenbeschwerden oder später Knochenschmerzen und Erschöpfung.

Seit Jahrzehnten stützen sich Ärztinnen und Ärzte vor allem auf zwei Verfahren: den PSA-Bluttest (prostataspezifisches Antigen) und die digitale rektale Untersuchung. Beide haben eindeutige Schwächen. Ein erhöhter PSA-Wert kann auch andere Ursachen als Krebs haben, etwa eine Entzündung. Umgekehrt weisen manche Männer mit aggressiven Tumoren nur gering erhöhte PSA-Werte auf.

„Prostatakrebs ist häufig, doch sein Verlauf ist ausserordentlich unterschiedlich – von harmlos bis hochaggressiv –, was Entscheidungen zur Früherkennung und Behandlung erschwert.“

Dieser Gegensatz zeigt, weshalb ein einheitliches Früherkennungsprogramm Schaden anrichten kann. Wird bei einem 80-Jährigen ein winziger, langsam wachsender Tumor entdeckt und anschliessend aggressiv behandelt, können die Nachteile grösser sein als der Nutzen.

Von der Reihenuntersuchung zur gezielten Früherkennung von Prostatakrebs

Gesundheitsbehörden in Ländern wie Frankreich und dem Vereinigten Königreich stehen flächendeckenden PSA-Screeningprogrammen weiterhin zurückhaltend gegenüber. Grosse Studien konnten keine deutliche Senkung der Sterblichkeit nachweisen, während viele Männer unnötigen Biopsien und Behandlungen ausgesetzt waren.

Der Trend im Jahr 2025 geht zu einer gezielten, risikoadaptierten Früherkennung. Alter, Lebenserwartung, Familiengeschichte und genetische Faktoren spielen bei der Entscheidung inzwischen eine zentrale Rolle.

  • Männer im Alter von 50–74 Jahren mit einer Lebenserwartung von mehr als 10 Jahren kommen häufig für ein gezieltes Screening infrage.
  • Bei Männern mit ausgeprägter familiärer Belastung oder bekannten genetischen Mutationen, etwa BRCA1 oder BRCA2, kann die Früherkennung bereits mit etwa 45 Jahren beginnen.
  • Männer ohne Beschwerden und mit begrenzter Lebenserwartung profitieren mit geringerer Wahrscheinlichkeit von einem PSA-Test.

Auch bei erhöhtem PSA-Wert oder auffälligem Tastbefund verändert sich das weitere Vorgehen. Die multiparametrische MRT der Prostata ist zu einer wichtigen vorgeschalteten Entscheidungshilfe geworden.

„Hochauflösende MRT-Untersuchungen können verdächtige Bereiche erkennen und helfen, zufällige, blinde Biopsien mit Infektions- und Blutungsrisiken zu vermeiden.“

Radiologinnen und Radiologen können Läsionen heute bewerten und gezielte Biopsien steuern, statt Gewebe wahllos zu entnehmen. Das senkt die Überdiagnose kleiner, harmloser Tumoren und verringert die Zahl invasiver Eingriffe.

Bei Bluttests verbinden neuere Verfahren wie der Prostate Health Index (PHI) und der 4Kscore verschiedene Marker mit klinischen Daten, um das Risiko eines klinisch bedeutsamen Krebses genauer einzuschätzen. Gleichzeitig gelangen sogenannte „Liquid Biopsies“ – Tests, die im Blut nach Tumor-DNA suchen – zunehmend aus dem Labor in die klinische Praxis.

Was neue Daten über organisierte Früherkennung zeigen

Eine 2025 veröffentlichte grosse Studie berichtete über eine Senkung der prostatakrebsspezifischen Sterblichkeit um 13 % über 23 Jahre durch ein strukturiertes, organisiertes Screening. Der Effekt ist zwar moderat, hat aber die Diskussion über sorgfältig gesteuerte Programme neu belebt, die MRT und selektivere Tests einbeziehen, statt PSA-Werte pauschal zu kontrollieren.

Anstelle der Frage „Sollte jeder Mann jedes Jahr einen PSA-Test machen lassen?“ fragen Behandelnde zunehmend: „Wer kann von einer Früherkennung jetzt profitieren, und bei wem ist ein Schaden wahrscheinlicher?“

Ein stiller Wandel der Behandlungsstrategien

Operation, Strahlentherapie und Hormontherapie bleiben die tragenden Säulen der Behandlung von Prostatakrebs. Im Jahr 2025 liegt der Unterschied vor allem darin, wie und wann diese Verfahren eingesetzt werden.

Bei lokalisiertem Krebs mit niedrigem Risiko gewinnt die „aktive Überwachung“ schnell an Bedeutung. Dabei erfolgen regelmässige PSA-Tests, MRT-Untersuchungen und gelegentliche Biopsien. Behandelt wird erst, wenn der Krebs Anzeichen eines Fortschreitens zeigt. So sollen unnötige Folgen wie Erektionsstörungen und Harninkontinenz vermieden werden.

„Bei vielen langsam wachsenden Prostatakarzinomen ist nicht eine sofortige Behandlung die sicherste Option, sondern eine engmaschige, strukturierte Überwachung.“

Bei Krebs mit höherem Risiko oder bei Rückfällen wird eine Strahlentherapie häufig mit einer Hormontherapie kombiniert, welche Testosteron senkt oder blockiert. Stärkere Antiandrogene wie Enzalutamid verändern bestimmte Behandlungsphasen. Studien deuten darauf hin, dass die Ergänzung um Enzalutamid die Ergebnisse bei Männern mit steigendem PSA nach Erstbehandlung verbessert, wenn noch keine Metastasen sichtbar sind. Behörden wie die US Food and Drug Administration haben diese Anwendung in bestimmten Situationen unterstützt.

Dagegen hat die Kombination von Enzalutamid, Strahlentherapie und Standardhormontherapie bei allen Hochrisikopatienten bislang keinen klaren Nutzen gezeigt. Ärztinnen und Ärzte bleiben vorsichtig, da intensivere Behandlungen mehr Müdigkeit, Hitzewallungen, Stoffwechselprobleme und langfristige sexuelle Nebenwirkungen verursachen können.

Bildgebung rückt in den Mittelpunkt: Ganzkörper-SPECT

Eine der besonders interessanten Entwicklungen kommt aus der Nuklearmedizin. Jüngere Arbeiten haben das Potenzial der Ganzkörper-SPECT hervorgehoben, einer dreidimensionalen Untersuchung, die kleinste Veränderungen bei Knochenmetastasen sehr empfindlich erfasst.

Herkömmliche Knochenszintigrafien können sehr kleine Metastasenherde übersehen. Die Ganzkörper-SPECT kann Mikrometastasen nachweisen und ihre Entwicklung von Tag zu Tag verfolgen, wodurch eine dynamische Karte der Krankheitsaktivität entsteht.

„Hochempfindliche 3D-Bildgebung ermöglicht es Onkologinnen und Onkologen, winzige Metastasen früher zu erkennen und die Behandlung anzupassen, bevor sich Beschwerden verschlimmern.“

Dies könnte dabei helfen, Bestrahlungsfelder passgenauer festzulegen, systemische Therapien zu steuern und die Wirksamkeit eines Medikaments deutlich schneller als bisher zu beurteilen.

Neue Forschungsansätze: Hormone, Gene und mehr

Neben etablierten Behandlungen untersuchen Labore die empfindlichen Mechanismen, durch die Prostatakrebszellen überleben, Therapien widerstehen und sich ausbreiten können.

Die Hormonsensitivität neu steuern

Prostatakrebszellen sind stark von Androgenrezeptoren abhängig, die Testosteron und andere männliche Hormone erkennen. Herkömmliche Hormontherapien sollen diesen Signalweg unterbrechen oder ihm Hormone entziehen, doch viele Tumoren passen sich mit der Zeit an.

Forschende analysieren nun weitere Rezeptoren, die das Tumorwachstum möglicherweise bremsen. Ein Kandidat ist der Schilddrüsenrezeptor TRβ. Erste Labordaten legen nahe, dass die Aktivierung von TRβ die Zellvermehrung verlangsamen, die Empfindlichkeit gegenüber Antiandrogenen wie Enzalutamid wiederherstellen und möglicherweise die Wirkung einer Strahlentherapie verstärken könnte.

Diese Ergebnisse befinden sich noch im präklinischen Stadium. Sie weisen jedoch auf künftige Kombinationen hin, die Hormonwege differenzierter beeinflussen, anstatt sie vollständig abzuschalten.

CRISPR und die Suche nach Schwachstellen

Werkzeuge zur Genbearbeitung wie CRISPR-Cas9 helfen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, die Schwachpunkte von Prostatakrebszellen zu kartieren. Mithilfe gross angelegter CRISPR-Screens haben Teams Proteine identifiziert, welche die Aktivität des Androgenrezeptors unterstützen. Eines davon ist PTGES3, das als eine Art „Chaperon“ wirkt und dem Rezeptor zu seiner korrekten Funktion verhilft.

„Das Blockieren entscheidender Hilfsproteine in Krebszellen könnte sie wesentlich empfindlicher für bestehende Hormon- und Strahlenbehandlungen machen.“

Das Ausschalten von PTGES3 in Labormodellen scheint die Wirkung der Hormontherapie zu verstärken und könnte die Strahlenempfindlichkeit erhöhen. Bis diese Ansätze routinemässig einsetzbar sind, ist es noch weit, und sie werfen komplexe Sicherheitsfragen auf. Dennoch zeigen sie, in welche Richtung sich die Präzisionsonkologie entwickeln könnte.

DNA-Reparatur gezielt hemmen und PARP-Inhibitoren einsetzen

Ein weiteres aktives Forschungsfeld befasst sich mit der DNA-Reparatur in Prostatakrebszellen. Tumoren mit Mutationen in BRCA1, BRCA2 oder anderen Genen der homologen Rekombinationsreparatur sind häufig besonders stark auf alternative Reparatursysteme angewiesen.

PARP-Inhibitoren wie Olaparib, Talazoparib und Niraparib blockieren einen dieser alternativen Reparaturwege. Dadurch können Krebszellen mit bereits bestehenden Reparaturdefekten über ihre Belastungsgrenze gebracht werden, was zum Zelltod führt. Diese Medikamente sind bereits bei Brust- und Eierstockkrebs zugelassen und werden inzwischen in ausgewählten Fällen von metastasiertem Prostatakrebs verwendet, insbesondere wenn moderne Hormontherapien versagt haben.

Behandlungsart Hauptziel Typischer Einsatz bei Prostatakrebs
Hormontherapie Testosteron und Androgenrezeptor Fortgeschrittene Erkrankung oder Hochrisikoerkrankung
PARP-Inhibitoren DNA-Reparaturenzyme Metastasierte Erkrankung mit DNA-Reparaturdefekten
Strahlentherapie Tumor-DNA und sich teilende Zellen Lokalisierte und fortgeschrittene Stadien

Einige Studien weisen auf einen Nutzen von PARP-Inhibitoren hin, selbst wenn keine eindeutige BRCA-Mutation nachgewiesen wird, obwohl die Reaktionen in genetisch klar definierten Gruppen stärker zu sein scheinen. Der Zugang zu genomischen Tests und multidisziplinären Teams wird für diese Entscheidungen zunehmend zu einer praktischen Voraussetzung, doch noch nicht alle Krankenhäuser sind dafür vollständig ausgestattet.

Echte Präzisionsmedizin aufbauen

Onkologinnen und Onkologen sprechen immer häufiger von „Prostatakrebserkrankungen“ statt von einer einzigen Krankheit. Unter dem Mikroskop und bei der Sequenzierung zeigen Tumoren sehr unterschiedliche genetische Muster, Wachstumsgeschwindigkeiten und Schwachstellen.

Moderne Versorgungspfade beginnen, drei Säulen miteinander zu verbinden:

  • Genomik: Sequenzierung der Tumor-DNA, um behandelbare Mutationen und Reparaturdefekte zu erkennen.
  • Bildgebung: moderne MRT, PET-Untersuchungen und Ganzkörper-SPECT zur Beurteilung von Ausbreitung und Aktivität.
  • Datenwissenschaft: Algorithmen, die grosse Datensätze nutzen, um vorherzusagen, welche Tumoren voraussichtlich aggressiv verlaufen.

„Präzisionsmedizin soll jedem Mann die Behandlung zuordnen, die ihm am ehesten hilft, und nicht nur das Standardprotokoll für sein Stadium.“

Praktisch könnte dies bedeuten, dass einem Mann mit einem kleinen Tumor niedrigen Grades und ohne Hochrisikogene lediglich Überwachung angeboten wird, während ein anderer Mann mit ähnlichem PSA-Wert, aber einer BRCA2-Mutation und verdächtiger MRT unmittelbar eine kombinierte Strahlen- und systemische Therapie erhält.

Was Männer vor dem Gespräch mit ihrem Arzt wissen sollten

Für Männer, die Entscheidungen zu Prostatakrebs treffen müssen, kann die neue Wissenschaft überwältigend wirken. Einige konkrete Punkte helfen, das Gespräch zu strukturieren:

  • Fragen Sie nicht nur „Habe ich Krebs?“, sondern auch „Wie aggressiv wird dieser Krebs voraussichtlich sein?“
  • Berücksichtigen Sie bei der Abwägung von Früherkennung oder Behandlung die Lebenserwartung und weitere gesundheitliche Probleme.
  • Bitten Sie um eine Erklärung, ob aktive Überwachung möglich ist und wie engmaschig sie erfolgen würde.
  • Fragen Sie bei fortgeschrittener Erkrankung, ob Gentests die Behandlungsentscheidung beeinflussen könnten.

Ein Vergleich zweier 65-jähriger Männer verdeutlicht dies. Der eine ist aktiv, hat wenige gesundheitliche Probleme und eine Lebenserwartung von 20 Jahren. Der andere leidet an einer schweren Herzerkrankung und ist in seiner Mobilität eingeschränkt. Derselbe Tumor niedrigen Grades kann beim ersten Mann zu einer Behandlung führen, beim zweiten hingegen zu einer reinen Überwachung oder sogar zu keiner Intervention, weil sich Nutzen und Risiken deutlich unterscheiden.

Auch das Verständnis von Begriffen wie „biochemisches Rezidiv“ – ein steigender PSA-Wert nach einer Behandlung – und „nicht metastasiert“ – keine sichtbare Ausbreitung in Untersuchungen – ist wichtig. Viele der neuesten Medikamente, einschliesslich moderner Hormonwirkstoffe, richten sich an genau diese Situationen. Ein allein steigender PSA-Wert bedeutet nicht immer eine unmittelbare Gefahr, löst jedoch eine detailliertere, individuelle Beurteilung aus.

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