Obwohl es ursprünglich nicht zur Bekämpfung des Alterns entwickelt wurde, zeigte dieses Medikament bei Mäusen bemerkenswerte Wirkungen.
Wie alle Lebewesen verlieren Mäuse im Alter an Leistungsfähigkeit: Ihr Körper baut ab, die Organe arbeiten weniger effizient und auch ihre zellulären Netzwerke verändern sich. Seneszenz ist ein unausweichlicher natürlicher Vorgang, der grundsätzlich nicht umkehrbar ist.
Ein Forschungsteam aus Hongkong hat jedoch gezeigt, dass ein bereits gegen Diabetes eingesetztes Arzneimittel allein einen Teil der altersbedingten Veränderungen rückgängig machen kann. Nachdem die Forschenden Mäusen den GLP-1-Rezeptoragonisten Exenatid verabreicht hatten, stellten sie fest, dass er die besonders alterungsanfälligen Gewebe verjüngte. Dabei korrigierte er Störungen der Genexpression sowie epigenetische Veränderungen, die sich im Laufe der Zeit angesammelt hatten. Das Versuchsprotokoll wurde am 19. November in der Fachzeitschrift Cell Metabolism veröffentlicht.
Anti-Aging-Wirkungen von Exenatid, einem gängigen Medikament
GLP-1-Rezeptoragonisten dienen ursprünglich als Stoffwechselregulatoren: Sie regen die Insulinproduktion an und helfen so, den Blutzuckerspiegel zu kontrollieren. Seit einigen Jahren beobachten Kliniker jedoch, dass sie bei manchen älteren Patienten überraschende Effekte auslösen. Diese Patienten scheinen widerstandsfähiger gegen bestimmte neurodegenerative Erkrankungen – insbesondere Parkinson – und gegen einige Tumorentwicklungen zu sein.
Das Hongkonger Team vermutete deshalb, dass diese verstreuten, nicht stoffwechselbezogenen Vorteile eine gemeinsame Ursache haben könnten. Demnach könnten GLP-1-Agonisten in biologische Prozesse eingreifen, die sich mit zunehmendem Alter verschlechtern.
Exenatid verbessert Kraft und Beweglichkeit alter Mäuse
Die Wissenschaftler gaben elf Monate alten Mäusen 30 Wochen lang Exenatid und einer zweiten, 18 Monate alten Gruppe 13 Wochen lang. Der Effekt zeigte sich ausschließlich bei alternden Tieren, wie sie feststellten. Dies gilt als verlässlicher Hinweis darauf, dass der Wirkstoff bei älteren Mäusen aktiv ist, bei jüngeren dagegen nicht.
Die behandelten Mäuse wirkten deutlich vitaler: Muskelmasse, Kraft und Ausdauer nahmen zu. Auch ihre motorischen Leistungen fielen besser aus und verbesserten sich während der 30-wöchigen Testphase fortlaufend. Diese Auswirkungen hätten auf einen Gewichtsverlust zurückgeführt werden können, wie er bei hoch dosierten GLP-1-Agonisten gelegentlich vorkommt. Das traf hier jedoch nicht zu: Die Mäuse wiesen dasselbe Stoffwechselprofil auf, abgesehen von einer geringfügigen Verringerung des viszeralen Fetts. Nach Einschätzung der Forschenden beruhen diese Verbesserungen auf einer tatsächlichen Wiederherstellung beeinträchtigter Funktionen durch Exenatid.
Keine nachgewiesene Verlängerung der Lebensspanne
Die Forschenden betonen dennoch, dass dieser Wirkstoff keinesfalls als „Lebenselixier“ oder „Langlebigkeitstrank“ verstanden werden darf. Sie erfassten die Lebensdauer der Mäuse nicht und konnten somit keine Verlängerung ihrer Lebenserwartung belegen. Die beobachtete Verjüngung muss zudem eingeschränkt bewertet werden, weil die Wirkung von Exenatid eng mit der Hirnaktivität verbunden ist. Wird der GLP-1-Rezeptor im Hypothalamus blockiert, schwächen sich die Vorteile in den peripheren Geweben deutlich ab.
Welche Wirkungen dieser Stoff beim Menschen hat, ist nicht bekannt: Es gibt keine Daten, die belegen, dass die bei Mäusen beobachtete hypothalamische Achse beim Menschen vorhanden ist oder vergleichbar funktioniert. Unsterblichkeit oder ewige Jugend stehen nicht unmittelbar bevor – was angesichts der gesellschaftlichen Folgen, die beides nach sich ziehen würde, eher eine gute Nachricht ist.
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