Sie kennen das wahrscheinlich: Der Wecker ist auf 6:30 Uhr gestellt, doch irgendwie öffnen Sie wenige Minuten vor dem Klingeln die Augen. Es gibt kein Geräusch und keinen äußeren Hinweis – trotzdem scheint Ihr Körper zu wissen, dass es Zeit ist.
Das mag ungewöhnlich wirken, aber Sie sind nicht zufällig aufgewacht. Dahinter steckt Ihre innere Uhr: ein erstaunlich präzises, körpereigenes Zeitsystem, das steuert, wann Sie schlafen und wann Sie aufwachen.
Doch wie funktioniert dieser eingebaute Wecker eigentlich?
Ein hormoneller Weckruf
Tief im Gehirn befindet sich eine kleine Gruppe von Nervenzellen, der sogenannte suprachiasmatische Nukleus, der oft als „Masteruhr“ des Körpers bezeichnet wird. Diese Nervenzellen erfassen die Zeit, indem sie innere Rhythmen wie den zirkadianen Rhythmus koordinieren. Dieser orientiert sich am 24-Stunden-Tag und reguliert unter anderem Schlaf, Körpertemperatur, Hunger und Verdauung.
Der zirkadiane Rhythmus bestimmt mit, wann wir uns tagsüber schläfrig oder wach fühlen. Die Masteruhr wird vom Körper auf natürliche Weise eingestellt, und es ist völlig normal, dass Menschen unterschiedliche bevorzugte Schlaf- und Wachzeiten haben.
Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum manche Menschen „Morgenmenschen“ sind, gern den Sonnenaufgang erleben und abends früh ins Bett gehen, während andere als „Nachteulen“ lange wach bleiben und bis zum späten Vormittag schlafen? Ursache dafür sind Unterschiede in ihrem zirkadianen Rhythmus.
Regelmäßige Schlaf- und Aufstehzeiten, Mahlzeiten und Sportgewohnheiten programmieren unsere Masteruhr. Sie beginnt dadurch vorherzusagen, wann diese Verhaltensweisen täglich stattfinden, und setzt die dazugehörigen Hormone entsprechend frei.
Wenn wir morgens aufwachen, tritt beispielsweise ein Phänomen auf, das als „Cortisol-Aufwachreaktion“ bekannt ist. Dabei steigt der Cortisolspiegel deutlich an. Dieses Hormon soll uns offenbar auf den Tag vorbereiten und uns Energie geben.
Bei Menschen mit sehr konstanten Aufstehzeiten und regelmäßigem Morgenlicht lernt die Masteruhr, wann sie gewöhnlich aufstehen. Lange bevor der Wecker klingelt, bereitet sie den Körper behutsam vor: Die Körpertemperatur steigt, der Spiegel von Melatonin – einem Hormon, das Müdigkeit fördert – sinkt, und der Cortisolspiegel beginnt anzusteigen.
Wenn der Wecker fällig ist, befindet sich der Körper bereits im Übergang zum Wachzustand. Man kann sich das wie eine Art hormonellen Weckruf vorstellen.
Gut abgestimmter Rhythmus oder schlechte Schlafqualität?
Wenn Sie häufig einige Minuten vor dem Wecker aufwachen und sich wach sowie erholt fühlen, deutet das auf einen präzise eingestellten zirkadianen Rhythmus hin. Ihre innere Uhr hat gelernt, Ihren Tagesablauf vorauszusehen, und unterstützt den sanften Übergang vom Schlaf zum Wachsein.
Wachen Sie dagegen vor dem Wecker auf, fühlen sich aber benommen oder unruhig, kann dies eher auf eine schlechte Schlafqualität als auf einen gut synchronisierten Rhythmus hinweisen.
Feste Zeiten fürs Zubettgehen und Aufstehen helfen dabei, die innere Uhr des Körpers zu trainieren – besonders dann, wenn sie mit natürlichen Signalen der Umgebung übereinstimmen, etwa mit Veränderungen von Licht und Temperatur im Tagesverlauf.
Dadurch fällt es leichter, einzuschlafen und erfrischt aufzuwachen. Ein regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus hilft dem Körper, „die Zeit im Blick zu behalten“, und kann ihn darauf trainieren, vorherzusagen, wann es Zeit zum Aufwachen ist.
Ein unregelmäßiger Schlafrhythmus kann diese inneren Körperrhythmen hingegen durcheinanderbringen. Die Folge können Müdigkeit sowie Schwierigkeiten sein, sich zu konzentrieren und geistige Aufgaben zu bewältigen.
Ohne ein gleichbleibendes Schlafmuster ist der Körper zum Aufwachen auf einen Wecker angewiesen. Dieser kann Sie möglicherweise aus tieferen Schlafphasen holen und das benommene Gefühl hinterlassen, das als Schlafträgheit bezeichnet wird.
In diesem Fall kann es helfen, die eigene Schlafhygiene zu überprüfen und kleine Gewohnheiten anzupassen. So lässt sich die innere Uhr des Körpers wieder ausrichten, damit Sie auf natürliche Weise aufwachen und sich wirklich erholt fühlen.
Warum lässt sich die innere Uhr schwer abschalten?
Stress und Angst können den Cortisolspiegel erhöhen – also den Spiegel desselben Hormons, das morgens auf natürliche Weise ansteigt und beim Aufwachen hilft. Das kann es erschweren, durchzuschlafen, oder ein frühes Erwachen auslösen.
Auch die Vorfreude auf aufregende Ereignisse kann den Schlaf beeinträchtigen. Ein stark erhöhter Erregungszustand hält das Gehirn wachsam, was zu leichterem Schlaf und vorzeitigem Aufwachen führen kann.
Solche Situationen sind verbreitet und gelegentlich völlig normal. Treten sie jedoch zu häufig auf, können sie längerfristige Schlafprobleme verursachen.
In der vorindustriellen Zeit richteten Menschen ihre Schlafmuster nach Umweltreizen von Sonne und Mond aus.
Heute kann es schwierig sein, ohne Wecker von selbst aufzuwachen. Wenn es dennoch gelingt, ist das ein deutliches Zeichen dafür, dass Sie genug Erholung bekommen haben und Ihre innere Uhr gesund sowie gut eingestellt ist.
Sie können Ihren Körper darauf trainieren, ohne Wecker aufzuwachen, indem Sie folgende Strategien umsetzen: Priorisieren Sie einen regelmäßigen Schlafrhythmus mit 7–8 Stunden Schlaf, auch am Wochenende; vermeiden Sie Schlafstörungen durch Koffein, Alkohol oder schwere Mahlzeiten; sorgen Sie für eine dunkle Schlafumgebung und verzichten Sie vor dem Schlafengehen auf Bildschirme; und stellen Sie sicher, dass Sie morgens natürlichem Sonnenlicht ausgesetzt sind.
Yaqoot Fatima, Professorin für Schlafgesundheit, University of the Sunshine Coast; Alexandra Metse, Senior Lecturer für Psychologie, University of the Sunshine Coast; und Danielle Wilson, Research Fellow und Schlafforscherin, University of the Sunshine Coast
Dieser Artikel wurde unter einer Creative-Commons-Lizenz von The Conversation erneut veröffentlicht. Lesen Sie den Originalartikel.
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