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Bluttest erkennt Alzheimer-Pathologie mit hoher Genauigkeit

Ärztin im Gespräch mit älterer Patientin, Blutprobe und Brain-Scan auf Bildschirm im Hintergrund sichtbar.

Das menschliche Gehirn ist anfällig für nachlassende Funktionen. Ob Gedächtnisprobleme über die gewöhnlichen Altersveränderungen hinausgehen, lässt sich ohne nicht überall verfügbare Technik nur schwer beurteilen. Fachkräfte sind daher häufig allein auf ihre Erfahrung und ihr Urteilsvermögen angewiesen, um Hinweise auf Demenz zu erkennen.

Bluttest zur Erkennung der Alzheimer-Pathologie

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler haben nun bestätigt, dass ein bereits klinisch erhältlicher Bluttest die bestehenden Diagnoseverfahren ergänzen kann, wenn teure Bildgebungsverfahren und Proben von Rückenmarksflüssigkeit nicht infrage kommen. Zudem scheint der Test eine aussergewöhnlich hohe Genauigkeit zu erreichen.

Ein von der Universität Lund in Schweden geleitetes Forschungsteam untersuchte, ob sich Alzheimer-Pathologie bei Patientinnen und Patienten anhand einer Kombination von Proteinverhältnissen im menschlichen Serum zuverlässig nachweisen lässt.

Weltweit leben rund 55 Millionen Menschen mit Demenz; in den meisten Fällen handelt es sich um die Alzheimer-Krankheit.

Den zugrunde liegenden Prozessen liegt ein komplexes Zusammenspiel genetischer und umweltbedingter Faktoren zugrunde. Allen Menschen mit Alzheimer ist jedoch ein fortschreitender Verlust entscheidender Nervenzellen gemeinsam, der mit einem deutlichen Anstieg abnormaler Proteine einhergeht.

Diese beiden Proteine – Beta-Amyloid und Tau – bilden Verklumpungen und Verflechtungen, die Zellen entweder unmittelbar schädigen oder über weitere immunologische Prozesse angreifen.

Hausärztinnen und Hausärzte sowie Fachärztinnen und Fachärzte nutzen häufig CT-Aufnahmen, die den Abbau von Hirngewebe sichtbar machen, zusammen mit kognitiven Tests und selbst berichteten Beschwerden. Auf dieser Grundlage beurteilen sie, ob bei einer Person wahrscheinlich eine Alzheimer-Krankheit vorliegt.

Doch selbst unter idealen Bedingungen, wenn das gesamte Spektrum diagnostischer Werkzeuge zur Verfügung steht, treffen sowohl Ärztinnen und Ärzte der Primärversorgung als auch der spezialisierten Versorgung oft keine korrekte Diagnose.

„Die Genauigkeit von Ärztinnen und Ärzten in der Primärversorgung bei der Erkennung der Alzheimer-Krankheit lag bei 61 Prozent, während Fachärztinnen und Fachärzte in 73 Prozent der Fälle richtiglagen“, sagt der Neurologe Sebastian Palmqvist von der Universität Lund.

„Dies verdeutlicht den Mangel an guten und kosteneffizienten Diagnoseinstrumenten, insbesondere in der Primärversorgung, und weist auf die mögliche Verbesserung der Diagnostik durch die Einführung dieses Bluttests im Gesundheitswesen hin.“

Proteinverhältnisse im Blut als Diagnosehilfe

Zahlreiche Studien der vergangenen Jahre haben bereits das Potenzial von Messungen von Plasmaproteinen für die Diagnose der Alzheimer-Krankheit aufgezeigt. Im Mittelpunkt stehen dabei insbesondere die vergleichenden Verhältnisse zwischen den „normalen“ und den auffälligen Formen von Beta-Amyloid und Tau.

Ähnliche Untersuchungen wurden zwar bereits mit Rückenmarksflüssigkeit durchgeführt, doch ein kommerziell verfügbarer Bluttest wäre deutlich weniger invasiv, weniger schmerzhaft und in einer gewöhnlichen Praxis schneller durchführbar.

Um zu prüfen, ob der Bluttest ebenso verlässlich ist, nahmen Palmqvist und sein Team 1213 Patientinnen und Patienten in die Studie auf. Sie wurden irgendwann zwischen Februar 2020 und Januar 2024 in Schweden durch ihre Hausärztin oder ihren Hausarzt beziehungsweise durch Fachärztinnen oder Fachärzte auf Alzheimer untersucht.

Etwa zwei Drittel der Teilnehmenden waren entweder mit subjektivem kognitivem Abbau oder mit leichter kognitiver Beeinträchtigung eingestuft worden. Das verbleibende Drittel hatte bereits auf Grundlage einer Kombination aus klinischen und kognitiven Tests eine Demenzdiagnose erhalten.

Zusätzlich zum Bluttest erhielten die meisten Patientinnen und Patienten eine Lumbalpunktion zur Entnahme von Rückenmarksflüssigkeit. Die wenigen Personen, bei denen dies nicht möglich war, unterzogen sich stattdessen einer PET-Untersuchung mit Radionuklidmarkierung, um abnorme Proteinablagerungen im Gehirn zu bewerten.

90 Prozent Genauigkeit im Vergleich

Beim Vergleich der Ergebnisse schnitten beide Untersuchungsmethoden gleich gut ab und sagten Alzheimer mit einer Genauigkeit von 90 Prozent voraus.

Weil ein Bluttest einfacher durchzuführen ist, könnten mehr Patientinnen und Patienten früher eine präzise Diagnose erhalten. Dadurch kann die benötigte medizinische Versorgung ohne Verzögerung beginnen.

„Der Test ist in den USA bereits verfügbar und wird voraussichtlich bald auch in vielen anderen Ländern erhältlich sein“, sagt der leitende Forscher Oskar Hansson, Neurologe an der Universität Lund.

„Zunächst wird er vor allem in spezialisierten Gedächtnisambulanzen eingesetzt werden, und es kann etwa ein bis zwei Jahre dauern, Leitlinien und Schulungen für die Primärversorgung umzusetzen.“

Die Forschungsergebnisse wurden in JAMA veröffentlicht.

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