Lebensmittelentscheidungen beeinflussen weit mehr als die persönliche Gesundheit. Sie hinterlassen auch Spuren in der Umwelt. In Subsahara-Afrika wird dieser Zusammenhang immer deutlicher, weil die Einkommen steigen und die Städte wachsen.
Jahrelang hatten viele Familien in der Region Schwierigkeiten, ausreichend Nahrung zu bekommen. Ihren Mahlzeiten fehlen häufig wichtige Nährstoffe. Doch nun verändert sich die Lage.
Mit höheren Einkommen und dem Zuzug in Städte wandeln sich auch die Ernährungsgewohnheiten. Menschen essen zunehmend Fleisch, Milchprodukte und verarbeitete Lebensmittel. Das bringt Vorteile, schafft aber zugleich neue Herausforderungen.
Was Menschen essen – genauer betrachtet
Die Herstellung und der Konsum von Lebensmitteln verursachen rund ein Drittel der weltweiten Treibhausgasemissionen. Was auf dem Teller landet, kann den Klimawandel daher spürbar beeinflussen.
„Allerdings sind die Umweltauswirkungen in den Ländern südlich der Sahara deutlich geringer“, erklärte Dr. Matin Qaim vom Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) der Universität Bonn.
In dieser Region essen die Menschen oftmals insgesamt weniger, und tierische Lebensmittel spielen eine geringere Rolle. Diese Situation beginnt sich jedoch zu verändern.
Ein von Dr. Juliana Minetto Gellert Paris geleitetes Team wertete Ernährungsdaten von fast 18.000 Haushalten in Ghana, Äthiopien und Nigeria aus.
Die Forschenden untersuchten nicht nur, welche Lebensmittel gegessen wurden. Sie betrachteten ebenfalls die Umweltfolgen jedes einzelnen Produkts entlang des gesamten Weges vom Feld bis auf den Tisch.
Lebenszyklusanalyse von Lebensmitteln
„Für jedes konsumierte Lebensmittel führten wir eine sogenannte Lebenszyklusanalyse durch“, erläuterte Dr. Gellert Paris, Hauptautorin der Studie.
Das Team erfasste Flächennutzung, Düngemitteleinsatz, Lebensmittelverluste und Transportentfernungen.
„Mithilfe all dieser Faktoren lässt sich beispielsweise berechnen, welche Menge an Treibhausgasen bei der Produktion von einem Liter Milch oder einem Kilo Mais- oder Maniokmehl entsteht“, sagte Gellert Paris.
Wohlstand und Stadtleben verändern Mahlzeiten
Die Ergebnisse zeigen ein eindeutiges Muster: Wohlhabendere Haushalte ernähren sich tendenziell ähnlicher wie Menschen in westlichen Ländern.
Zu ihrer Ernährung gehören größere Mengen an Fleisch, Eiern, Milch und verarbeiteten Lebensmitteln. Auch Getränke wie Limonade, Kaffee und Fruchtsaft werden häufiger konsumiert.
Dieser Wandel betrifft nicht allein wohlhabende Menschen. Auch das Leben in Städten spielt dabei eine Rolle.
„Ein ähnlicher Trend lässt sich bei Menschen beobachten, die in städtischen Gebieten leben“, sagte Dr. Qaim. „Das gilt sogar für diejenigen, die nicht ganz so viel verdienen.“
Diese Veränderungen in der Ernährung liefern mehr Proteine und Nährstoffe, was die Gesundheit verbessern kann. Gleichzeitig erhöhen sie jedoch die Umweltbelastung.
Die Erzeugung tierischer Lebensmittel beansprucht im Vergleich zu pflanzlichen Grundnahrungsmitteln mehr Fläche, Wasser und Energie.
Ernährung und Nachhaltigkeit in Einklang bringen
Die Bevölkerung der Region wächst schnell. Derzeit leben etwa 1,3 Milliarden Menschen in Subsahara-Afrika, und bis 2050 könnte sich diese Zahl verdoppeln. Alle Menschen gut zu ernähren, ist eine große Herausforderung.
„Bis zu einem gewissen Grad ist das positiv“, erklärte Dr. Gellert Paris: „Insbesondere der steigende Konsum tierischer Produkte führt zu einer besseren Versorgung mit wichtigen Nährstoffen.“
Dennoch gibt es Grenzen. Ein zu hoher Fleischkonsum kann sowohl der Gesundheit als auch der Umwelt schaden. Die Studie weist darauf hin, dass strikte Ernährungsumstellungen kaum realistisch sein dürften.
„Alle mit hochwertigen Lebensmitteln zu versorgen, ist ein dringendes Ziel. Auch wenn dies eine erhöhte Produktion von Lebensmitteln tierischen Ursprungs erfordern sollte“, sagte Dr. Gellert Paris.
„Angesichts weiterhin hoher Unterernährungsraten wäre es sowohl arrogant als auch zynisch, von den Menschen dort zu erwarten, dass sie zugunsten der Umwelt Vegetarier werden.“
Umweltschäden senken, ohne Fortschritt zu bremsen
Mit der Veränderung der Ernährungsweisen werden die Umweltauswirkungen voraussichtlich zunehmen. Die Studie nennt jedoch Möglichkeiten, diesen Anstieg zu begrenzen.
Ein entscheidender Schritt besteht in besseren landwirtschaftlichen Methoden. Höhere Ernteerträge ermöglichen es, auf weniger Fläche mehr Lebensmittel zu produzieren. Das kann Entwaldung und den Verlust von Lebensräumen verringern.
Auch die Verringerung von Lebensmittelverschwendung hat hohe Priorität. In vielen Gegenden verderben Lebensmittel bereits vor dem Verkauf an Verbraucherinnen und Verbraucher, weil Lagerung und Transportsysteme unzureichend sind.
„Dank technologischer Fortschritte lassen sich die Umweltfolgen zumindest verringern“, sagte Dr. Qaim.
Auch Bildung ist wichtig. Die Forschenden warnen davor, westliche Ernährungsgewohnheiten einfach zu übernehmen, da diese oft stark auf verarbeiteten Lebensmitteln und großen Fleischmengen beruhen.
„Daneben sollten politische Entscheidungsträger jedoch mithilfe von Bildungskampagnen versuchen zu verhindern, dass sich unser heutiger westlicher Lebensstil in afrikanischen Ländern ausbreitet“, sagte Qaim.
„Schließlich sind wir in Sachen Nachhaltigkeit sicherlich kein gutes Vorbild.“
Die vollständige Studie erschien in der Fachzeitschrift Nachhaltige Produktion und Konsum.
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