Die Vogelgrippe scheint von einem Milchviehbetrieb in Colorado auf einen nahe gelegenen Geflügelbetrieb übergegangen zu sein. Fünf Beschäftigte, die die betroffenen Tiere keulen sollten, haben sich infiziert.
Das hochansteckende Virus, die aviäre Influenza H5N1, besitzt Pandemiepotenzial. Deshalb läuft ein Wettlauf um die Entwicklung eines Impfstoffs, der seine verheerenden Folgen begrenzen könnte.
Die US-Zentren für Krankheitskontrolle und Prävention (CDC) bestätigten vier Infektionen bei Menschen, die mit einem gewerblichen Betrieb zur Eierproduktion in Verbindung stehen. Der fünfte Fall wartet noch auf die Bestätigung durch die CDC, wird derzeit jedoch ebenfalls als vermutlich positiv eingestuft.
Vogelgrippe H5N1: Möglicher Übergang von Rindern auf Geflügel
Bislang reichen die Belege nicht aus, um Ursprung und Übertragungsweg der Infektion auf dem Geflügelbetrieb eindeutig festzustellen. Als Hypothese gilt jedoch, dass das Virus von Milchkühen auf den Geflügelbetrieb übergesprungen sein könnte.
„Die Genomsequenzierung von Proben aus dem Geflügelbetrieb bestätigt denselben Genotyp der hochpathogenen aviären Influenza, der auch in den nahe gelegenen Milchviehherden vorkommt“, sagte der kommissarische leitende Berater Eric Deeble vom US-Landwirtschaftsministerium bei einer am Dienstag abgehaltenen Pressekonferenz, die der CBS-Journalist Alexander Tin aufzeichnete.
Damit lässt sich der Weg des Virus zwischen den Arten zwar nicht nachvollziehen. Die Befunde deuten aber darauf hin, dass es in unterschiedlichen tierischen Wirten gedeihen kann, ohne sich stark verändern zu müssen.
Diese Möglichkeit beunruhigt Wissenschaftler erheblich. Je mehr Arten ein Virus befallen kann, desto effizienter kann es sich verbreiten. In den USA erkrankten Kühe erstmals Anfang dieses Jahres an Vogelgrippe; das Virus wurde dabei auf zwei Menschen übertragen.
„Die Risikobewertung der CDC für die allgemeine Bevölkerung bleibt niedrig, und die CDC hat ihre Empfehlungen nicht geändert“, erklärte Nirav Shah, stellvertretender leitender Direktor der CDC, bei der Pressekonferenz.
„So empfiehlt die CDC beispielsweise keine H5-spezifischen Impfstoffe für Beschäftigte in der Tierhaltung, da die bislang beobachteten Symptome mild waren und sich das Erbgut des Virus nicht in einer Weise verändert hat, die auf ein erhöhtes Risiko für die menschliche Gesundheit hindeuten würde.“
Nach Angaben von Shah ergab eine vorläufige Analyse der Virusgene aus einer Probe eines infizierten Beschäftigten des Geflügelbetriebs keine besorgniserregenden Mutationen.
„Die Sequenz ist sehr eng mit zwei Sequenzen von infizierten Hühnern aus dem Betrieb verwandt, in dem der Beschäftigte wahrscheinlich exponiert war“, sagte Shah.
„Darüber hinaus war eine der Untereinheiten des Virus zu 100 Prozent identisch mit den Sequenzen aus Texas und dem ersten menschlichen Fall in Michigan.“
Keulung erhöht offenbar das Infektionsrisiko für Beschäftigte
Die bisher beobachteten Symptome bei Menschen scheinen zwar mild zu sein und die Genesung verläuft schnell. Größere Sorgen bereiten möglicherweise die Folgen für die Landwirtschaft.
Milch von infizierten Kühen ist nicht mehr zum Verzehr geeignet. Zudem hinterlässt die Keulung zur Eindämmung weiterer Ausbreitung – wie bei den 1,8 Millionen Vögeln des betroffenen Geflügelbetriebs in Colorado – eine massive Lücke in den Tierbeständen.
Gerade diese Keulungen scheinen das Risiko einer Infektion für Menschen zu erhöhen. Nach Angaben des Gesundheits- und Umweltministeriums von Colorado gehörten die fünf infizierten Beschäftigten zu den Mitarbeitenden, die Vögel zum Keulen in Kohlendioxid-Gaskammern verluden.
„Es gab großdimensionierte Industrieventilatoren, die sicherlich dazu beitrugen, die Ställe kühl zu halten, aber diese Ventilatoren verteilten auch Dinge wie Federn, von denen bekannt ist, dass sie das Virus tragen können“, sagte Shah.
„Zudem erforderte die hier eingesetzte Keulungsmethode, dass die Beschäftigten von Huhn zu Huhn gingen, wodurch der Kontakt mit jedem möglicherweise infizierten Tier intensiver wurde.“
Für diese belastende Arbeit ist die persönliche Schutzausrüstung normalerweise umfangreich. Bei Temperaturen in Colorado, die an diesem Tag auf fast 40 °C stiegen, fiel es den Beschäftigten laut Shah bei der Pressekonferenz jedoch vermutlich schwer, diese Schutzmaßnahmen durchgehend einzuhalten.
Ein Experte für Arbeitshygiene wurde hinzugezogen, um Maßnahmen zur besseren Verhinderung von Übertragungen zu untersuchen.
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